Anträge
2. Juli 2026

Wirtschaftliche Prüfung einer biologischen Staubunterdrückung als Alternative zur kontinuierlichen Bewässerung unbefestigter Wege und Flächen in städtischen Grünanlagen, Parks, Friedhöfen und sonstigen kommunalen Flächen

Das Baureferat der Landeshauptstadt München (LHM) wird beauftragt, die derzeitige Praxis der Staubkontrolle auf unbefestigten Wegen und Flächen, insbesondere die regelmäßige bzw. kontinuierliche Bewässerung in den trockenen Monaten, wirtschaftlich, ökologisch und betrieblich zu überprüfen.

Im Rahmen dieser Prüfung ist die aktuelle Bewässerungspraxis mit alternativen, biologischen Staubunterdrückungs- und Oberflächenverfestigungsprodukten zu vergleichen. Dabei sind insbesondere Wasserverbrauch, Einsatzhäufigkeit, Personal- und Maschinenaufwand, Umweltverträglichkeit, Verkehrssicherheit, Pflegeaufwand sowie die Gesamtkosten über eine Saison zu bewerten.

Sollte die Prüfung zu dem Ergebnis kommen, dass eine biologische Staubunterdrückung wirtschaftlicher, ressourcenschonender oder dauerhaft wirksamer ist, soll die LHM geeignete Anbieter kontaktieren und die Durchführung eines zeitlich begrenzten Pilotversuchs auf einer tauglichen kommunalen Fläche prüfen.

Begründung

Die LHM setzt nach derzeitiger Praxis zur Staubkontrolle auf unbefestigten Wegen und Flächen in den trockenen und stark genutzten Monaten insbesondere auf regelmäßige Bewässerung. Diese Vorgehensweise ist kurzfristig nachvollziehbar, weil Wasser Staubpartikel unmittelbar bindet. Fachlich betrachtet ist sie jedoch nur eine temporäre Symptombekämpfung: Die Wirkung hält je nach Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und Nutzungsintensität nur kurze Zeit an. Nach dem Verdunsten des Wassers kann die Staubentwicklung erneut einsetzen.

Hinzu kommt, dass wiederholte Bewässerung die Ursache der Staubentwicklung nicht nachhaltig beseitigt. Auf unbefestigten Flächen entstehen staubende Feinanteile insbesondere durch mechanische Belastung, Austrocknung und fehlende Oberflächenbindung. Werden diese Feinanteile lediglich benetzt, können sie bei wiederholten Bewässerungsereignissen an die Oberfläche gespült werden. Nach dem Abtrocknen stehen sie erneut als leicht aufwirbelbares Material zur Verfügung. Dadurch kann sich das Staubproblem mittelbar sogar verstärken, während gleichzeitig erhebliche Mengen Wasser eingesetzt werden.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Hitze- und Trockenperioden sowie wachsender Nutzungskonkurrenzen um Wasser ist ein sparsamer und zielgerichteter Umgang mit der Ressource Wasser geboten. Die Nationale Wasserstrategie des Bundes und die Hinweise des Umweltbundesamtes zur klimabedingten Wasserverfügbarkeit unterstreichen, dass Kommunen ihre Wassernutzung künftig stärker auf Effizienz, Resilienz und Vermeidung unnötiger Verbräuche ausrichten müssen.

In Bergbau, Baustoffindustrie, Recycling, Bauwesen und anderen Schwerindustrien werden deshalb seit Jahren alternative Verfahren zur Staubunterdrückung eingesetzt. Neben reinen Wasseranwendungen kommen dort Produkte zum Einsatz, die die Oberfläche temporär verfestigen oder Feinpartikel binden. Ziel ist nicht nur eine kurzfristige Benetzung, sondern eine länger anhaltende Reduzierung der Staubfreisetzung bei deutlich geringerer Einsatzhäufigkeit und geringerem Wasserverbrauch.

Für städtische Grünanlagen und sensible öffentliche Flächen kommen dabei nicht alle Produktklassen gleichermaßen in Betracht. Bitumenhaltige oder bestimmte synthetische Polymerlösungen sind wegen möglicher optischer, ökologischer oder bodenbezogener Nachteile für innerstädtische Grün- und Erholungsflächen nur eingeschränkt geeignet. Besonders prüfenswert sind dagegen biologische Staubunterdrückungs- und Oberflächenverfestigungsprodukte, sofern sie nachweislich bodenverträglich, nicht wassergefährdend und für den vorgesehenen Einsatzbereich geeignet sind. Solche Produkte können die Oberfläche temporär stabilisieren, ohne sie dauerhaft zu versiegeln; Wasser und Gase können weiterhin in den Boden eindringen.

Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung sollte daher nicht nur die reinen Produktkosten betrachten, sondern die tatsächlichen Gesamtkosten der heutigen Praxis erfassen: Wasserverbrauch, Personalzeit, Fahrzeug- und Geräteeinsatz, Kraftstoff bzw. Energie, Wartung, Wiederholungsfahrten, mögliche Nutzungseinschränkungen sowie die Wirkdauer der Maßnahme. Erst auf dieser Grundlage kann der Stadtrat beurteilen, ob die heutige kontinuierliche Bewässerung tatsächlich die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung ist.

Ein Pilotversuch auf einer geeigneten Fläche würde es ermöglichen, die Wirksamkeit unter realen Münchner Bedingungen zu bewerten. Sinnvolle Prüfkriterien wären unter anderem Staubentwicklung vor und nach der Anwendung, Dauer der Wirksamkeit, Anzahl notwendiger Nachbehandlungen, Wasserersparnis, optische Wirkung, Begeh- und Befahrbarkeit, Akzeptanz durch Nutzer sowie mögliche Auswirkungen auf Boden und Vegetation. Geeignete Hersteller und Anbieter – darunter auch Münchner Unternehmen mit einschlägiger Erfahrung im Bereich biologischer Staubunterdrückung – sollten im Rahmen einer technologieoffenen Prüfung einbezogen werden.

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