Anträge
27. Januar 2026

Gegen das Vergessen: München soll Standort des Yad Vashem Education Centers werden

Der Münchner Stadtrat begrüßt ausdrücklich die fraktionsübergreifenden Initiativen des Freistaat Bayern, Standort für das erste Yad Vashem Education Center außerhalb Israels zu werden. Der Stadtrat bekennt sich dazu, diese Bemühungen aktiv zu unterstützen und München als engagierte, verlässliche und kooperationsbereite Partnerstadt in das vom Freistaat geführte Bewerbungsverfahren einzubringen.

Der Oberbürgermeister wird gebeten, die Anstrengungen des Freistaats Bayern nachdrücklich zu flankieren und sich auf allen geeigneten Ebenen dafür einzusetzen, dass die besonderen Stärken Münchens sichtbar werden. Dazu gehört insbesondere, in enger Abstimmung mit dem Freistaat aufzuzeigen, wie München seine bestehenden Kompetenzen, Netzwerke und Einrichtungen in ein solches Education Center einbringen kann.

Der Stadtrat sieht es als gemeinsame Aufgabe von Freistaat und Stadt, die Bewerbung Bayerns durch ein breites gesellschaftliches Fundament zu stärken. Der Oberbürgermeister wird daher gebeten, im Sinne der Gesamtbewerbung ein Bündnis aus Münchner Unterstützenden in Bildungs-, Wissenschafts-, Kultur- und Zivilgesellschaft einzubinden und dieses in die Gespräche des Freistaats einzuspeisen.

Begründung:
Die Initiative des Freistaats Bayern, ein Yad Vashem Education Center nach Bayern zu holen, ist ein starkes und notwendiges Signal für eine lebendige Erinnerungskultur und den entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und jedwede Menschenfeindlichkeit. Der Münchner Stadtrat teilt diese Zielsetzung ausdrücklich und möchte dazu beitragen, die Bewerbung des Freistaats mit den spezifischen Stärken der Landeshauptstadt zu untermauern.

Zentral für die Münchner Unterstützung ist eine partnerschaftliche, wechselseitige Zusammenarbeit mit den bestehenden Einrichtungen der Erinnerungsarbeit. Insbesondere das städtische NS-Dokumentationszentrum München, die KZ-Gedenkstätte Dachau oder aber die im Kulturreferat verankerten Strukturen der Public History und Erinnerungskultur bieten hierfür hervorragende Anknüpfungspunkte. Ein Yad Vashem Education Center in München würde zum einen von der gewachsenen lokalen Expertise und Vermittlungspraxis profitieren, insbesondere aber neue internationale Perspektiven, forschungsbasierte Bildungsansätze und didaktische Impulse einbringen. Die Münchner Einrichtungen könnten ihrerseits in besonderer Weise von der langjährigen Erfahrung von Yad Vashem in Forschung, Bildung und internationaler Vernetzung lernen. So entstünde ein gegenseitiger Lernprozess, der die Qualität historisch-politischer Bildungsarbeit insgesamt stärkt.

Die Dringlichkeit ist hoch. Aktuelle Studien zeigen, dass insbesondere bei jungen Menschen erhebliche Wissenslücken bestehen: Ein relevanter Anteil der 18- bis 29-Jährigen kennt zentrale Fakten zur Shoah nicht sicher; viele können weder das Ausmaß der Verbrechen noch zentrale Orte der Erinnerung korrekt benennen. Diese Befunde machen deutlich, dass Erinnerung keine Selbstverständlichkeit ist, sondern aktiv, permanent, professionell und generationengerecht vermittelt werden muss.

München verfügt – im engen Schulterschluss mit dem Freistaat Bayern – über hervorragende Voraussetzungen, um einen solchen Ort internationaler Bildungs- und Erinnerungsarbeit mitzutragen. Die Einreichung dieses Antrags am 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, unterstreicht unseren Anspruch, als ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“ Verantwortung aus der Geschichte zu übernehmen und dieser Verantwortung auch fortwährend gerecht zu werden. Konkrete Bildungs- und Kooperationsarbeit im Bereich der Erinnerungskultur ist hierfür ein zentrales Element.

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