Richter sehen „Gefahr für Grundversorgung im sozialen Bereich“: CSU/FW-Fraktion stellt Anfrage zum Brief des Arbeitskreises Münchner Modell
Der „Arbeitskreis Münchner Modell“ schlägt mit einem Brief an Stadtspitze und Stadtrat Alarm: Durch Einsparmaßnahmen beim Stadtjugendamt, der Jugendhilfe und den Beratungsstellen für Familien sehen die Experten aus der Praxis Gefahren für die Grundversorgung im sozialen Bereich, insbesondere für das Wohl der Kinder in von familienrechtlichen Streitigkeiten betroffenen Familien. Die CSU/FW-Fraktion stellt dazu heute eine offizielle Anfrage an den Stadtrat.
Der Arbeitskreis wird geleitet von einer Amtsrichterin, Mitglieder sind u.a. weitere Familienrichter, Familienanwälte, Beratungsstellen und Vereine. Der Kreis besteht seit dem Jahr 2007 und nimmt als Kooperation zwischen Justiz, Stadt- und Kreisjugendamt, Beratungsstellen, der Anwaltschaft und weiteren Mitgliedern das Kindeswohl im Rahmen von Familienstreitsachen in den Fokus. Dazu gehören zum Beispiel Sorgerechtsfälle und auch Gewaltschutzverfahren. Umso alarmierender ist für die CSU/FW-Fraktion der Brief, der deutliche Missstände aufzeigt. Einem Anstieg der Verfahrenszahlen am Familiengericht und damit auch des Beratungsbedarfs für Familien stehen demnach ein Mangel an Beratungspersonal, fehlende Tarifanpassungen und Kürzungen beim Stadtjugendamt gegenüber. Dies führt laut dem Schreiben dazu, dass belastete Kinder länger auf eine Verbesserung der familiären Situation warten müssen und dadurch selbst Nachteile im weiteren Leben erleiden. So heißt es, „dass nicht oder zu spät durch das Beratungs- und Schutzsystem erreichte Familien und Eltern eskalieren und damit aufgrund dieser jeweiligen familiären Situation das Sozial- und Justizsystem mittel- und langfristig belasten“. Insbesondere zeige sich „immer deutlicher die Entwicklung, dass Kinder, die in derartigen Familien über einen längeren Zeitraum hinweg einem nicht professionell bearbeiteten High-Konflikt ausgesetzt sind, in großen Teilen eine negative soziale und schulische Entwicklung durchlaufen.“ Dies zeichne sich bereits jetzt an der „signifikanten Zunahme der Kindeswohlgefährdungsverfahren in den beiden Familienabteilungen des Amtsgerichts München“ ab.
Die „beschlossenen Kürzungen für das Stadtjugendamt“ haben dem Brief zufolge „weitreichende Auswirkungen auf eine funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit und damit auf das Wohl der betroffenen Kinder im Münchner Stadtgebiet“.